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Interview mit Ionic Vision

Mittwoch, 27. Januar 2010
allgemeine Informationen der Szene  Wir interviewten Sven und Andy Ionic Vision über die Remixe zum neuen Longplayer.
Was die Jungs von der Weltwirtschaftskrise, Interviews und Castingshows halten und wie weit sie mit dem neuen Album sind, das alles erfahrt ihr im folgenden Interview!
 
Hallo Sven, hey Andy. Danke, dass ihr die Ziet gefunden habt, uns ein paar Fragen zu beantworten.

 -> Es ist uns ein Vergnügen!
 
Als erstes, stellt euch doch mal selber gegenseitig vor.

 -> Nun, wir sind Ionic Vision (wie wir das wohl erraten haben..haha), wir leben in einem kleinen Land, das Belgien genannt wird. Wir sind zu zweit: Andy und Sven.
Es gibt uns ja schon seit 1992, also sind wir quasi die am längsten ununterbrochen aktive EBM-Band überhaupt – wir sollten dafür eigentlich dem Guinessbuch schreiben...Und wir veröffentlichen unser Material auf dem eigenen Label Machineries Of Joy, einem Sublabel von COP Intl. Alle weiteren peinlichen Details lassen wir hier lieber außen vor.
 
Am 22. Januar habt ihr mit “Complete Isolation” ein Remixalbum der 2008 erschienenen CD “Bitter Isolation” veröffentlicht. Habt ihr aktiv Leute angeschrieben oder hattet ihr so viele nachfragen, daß ihr quasi gezwungen ward, ein komplettes Remix-Album zu machen?

 -> Wir hatten uns dazu schon vor langer Zeit entschlossen, unsere Isolated-Sessions mit einem Remixalbum zu beenden. Diese “Isolated Sessions” beziehen sich auf eine Serie von Veröffentlichungen, die wir seit “Sweet Isolation” gemacht haben, einer MCD mit Orange Sector. Es geht da um ein großes Gesamtkonzept: als Band für so viele Jahre isoliert zu sein, sei es in künstlerischer Hinsicht (der rote Sessel allein an einem verlassenen Ort) als auch in musikalischer Hinsicht. Ein Überblick über das alles gibt das Booklet des “Complete Isolation”-Releases. Es lohnt sich, einen Blick zu riskieren.
Wir haben den Kontakt zu den Remixern zu einem sehr frühen Zeitpunkt gesucht, und wir hatten nie die Idee, große Bands oder Namen zu fragen. Wir kümmern uns nicht darum, sondern nur um die Qualität. Zum Schluss hatten wir dann doch einige große Namen an Bord, das ließ sich nicht vermeiden. Orange Sector. Poupee Fabrikk als härtere EBM-Vertreter, oder auch David Carretta, the Horrorist oder Komputer.
 
Wir wissen, dass für euch Vielseitigkeit sehr wichtig ist. Ist das auch der Grund, warum ihr nicht mit EBM-Bands zusammenarbeitet, sondern eher mit Musikern wie NorthBorne oder Komputer?

-> Wir haben in der Tat immer danach getrachtet, den Leuten klar zu machen, dass reiner EBM auch mehrere Gesichter haben kann, ohne seine Identität zu verlieren. Dieses Remixalbum ist der finale Beweis dafür. Eine EBM-Band wie Ionic Vision muss keine 15 anderen EBM-Bands fragen, ob sie einen Remix machen wollen – die Remixe würden alle gleich klingen. Auf der anderen Seite ist es nicht einfach, seine Identität zu wahren, weshalb wir es manchmal auch nicht wagen, aufzustehen und zu sagen, wir wollen etwas komplett anderes außerhalb der Reihe machen. Komputer sind ein gutes Beispiel, bei denen es funktioniert hat. Sie wollten eine schräge Vision und haben es geschafft.
Wir beide haben ein weit gefasstes Interesse an guter Elektronikmusik und sind in Kontakt mit einer Menge Künstlern, so war das relativ einfach, diese CD zu machen.

Warum habt ihr euch dazu entschlossen, nur fünf Stücke von “Bitter Isolation” remixen zu lassen?

 -> Wenn du das komplette Album remixen lässt, dann ist am Ende nichts mehr davon übrig. Das wäre fast wie Depeche Mode’s Black Celebration.
Alle guten Songs wären zu Tode geremixed worden und nur die ungünstigeren Tracks wären übrig gewesen. Wir wollten das nicht so haben.
Auf der anderen Seite hat man jetzt die Möglichkeit, ein ganzes Spektrum an Remixen zu hören, z. B. bei Die Macht. Der Orange Sector remix ist komplett anders als der von The Horrorist – und dabei ist es der gleiche Ursprungssong. Wenn wir jeder Band einen anderen Song gegeben hätten, dann hätte man nie die Möglichkeit gehabt, diese Varianten zu genießen.

Gibt es einen Remix, der euch buchstäblich von den Socken gehauen hat, als ihr ihn das erste Mal gehört habt?

 -> In einer Hinsicht klingen die alle gut und wir sind damit zufrieden. Aber ich schätze, wir kommen nicht davon, bevor wir nicht eine ehrliche Antwort gegeben haben… Wir haben beide den Millimetric Mix von “Die Macht” bewundert. Aber der ist nicht auf “Complete Isolation” *grins… Ehrlich gesagt, gibt es gute Stellen in fast jedem Mix, du hast den Tanzeffekt bei Northborne’s Remix und die schrägen Teile im Komputer Remix. Und jede Interpretation ist wirklich super.
 
Am Freitag, den 22. Januar, habt ihr Nitzer Ebb in Antwerpen auf ihrer Release-Show suportert. Wir kam es dazu?

 -> Wir wurden von Peter Mastbooms gefragt. Er wusste schon immer, dass das unser größter Traum ist. Und es ist nur logisch in unserem Fall, dass wir nach dem Höchsten, dem Ultimativen streben. Und zu guter letzt sind Nitzer Ebb ja der Grund, warum wir diese Art Musik machen und wir machen ja noch immer Nitzer Ebb  basierte Sachen.
Es gibt uns noch und auch die EBM-Szene, in der wir mehr und mehr Anerkennung erhalten. Die Arbeit mit Terence Fixmer, Thomas P Heckmann, David Carretta, Pouppee Fabrik, Orange Sector und vielen anderen, zwingt die Leute, uns nach all den Jahren zu respektieren, die wir schon versuchen zu überleben. Wir sind stolz auf das, was wir geleistet haben und wer weiß, was die Zukunft noch bringen wird. Dass wir Nitzer Ebb supporten dürfen zeigt uns, dass wir doch ganz gut sind.
 
Werdet ihr nur einmal dabei sein, oder Nitzer Ebb noch öfter auf Tour begleiten?

 -> Derzeit ist nur dieses eine Konzert geplant gewesen. Aber es ist ein Schritt nach vorn. Wir sagen niemals nie und warten ab, was als nächstes kommt. Wir haben unsere Lektionen gelernt über die Jahre. Bleib, wer du bist und verhalte dich nicht wie das letzte Arschloch, dass nur das Beste und Größte für sich will… das funktioniert nicht. So bleiben wir schön auf dem Teppich und sind dankbar für diese einmalige Chance. Eine Chance, von der viele EBM-Bands noch immer träumen können. Wie wir davon viele Jahre geträumt hatten…
 
Nitzer Ebb sind eines eurer Idole. War es eine besondere Ehre für euch, mit ihnen die Bühne zu teilen?

 -> Oh, definitiv. Es fühlte sich an, wie wieder 16 zu sein und “Murderous” zu hören und zu denken: “das absolut schärfste wäre, einmal auf der Bühne zu stehen und genauso berühmt wie Nitzer Ebb zu sein”. Diese vielen Jahre später geht der Wunsch in Erfüllung (aber wir sind natürlich noch nicht berühmt!). Aber mal ehrlich, es war ansonsten nur ein weiterer Gig wie schon viele zuvor. Wir sind stolz, dass wir den Leuten erzählen können, dass wir die größte aller EBM-Bands supportet haben, aber wenn man auf die Bühne geht, wird es einfach ein weiterer Ionic Vision Auftritt. Es war vielmehr das alles, was um die Bühne herum passiert ist, was so aufregend war. Wir hatten sogar die Möglichkeit, mit Nitzer Ebb zu quatschen, was für uns sehr aufregend war.
 
Seit 18 Jahren kämpft ihr nun gegen das Vorurteil und die Meinung, dass EBM monoton und nicht abwechslungsreich sein muss. Aus eurer heutigen Sicht, welche Veränderungen hat der EBM seit den Anfängen durchgemacht?

 -> Es gibt viel mehr von dieser Musikrichtung als damals. Und um ehrlich zu sein, Ionic Vision waren für lange Zeit die letzte existierende EBM-Band überhaupt, die es sehr schwer hatte die Leute zu überzeugen, was wir da denn machten. Wir wurden so verdammt oft ausgelacht… und jetzt, als das Genre wieder zurückkommt und respektiert wird, schauen sie auf uns und sagen: “Hey, die Versager gibt’s ja immer noch, Respekt!”. An sich ist die Musik der Bands und die Inspiration die gleiche wie früher, aber es ist gut zu sehen, dass EBM die Leute wieder interessiert und ich denke, ohne arrogant zu sein, wir haben da schon einen kleinen Anteil dran…oder nicht?

Welche Veränderungen haben Ionic Vision seit damals durchgemacht?

-> Wir sind etwas älter geworden, weiser (das kommt von selbst) und viel härter, wenn es darum geht, “Nein” zu sagen. Wir wissen jetzt viel besser, was unser Anteil an der EBM-Szene ist und das hat uns viel Sicherheit gegeben. Aber darüber hinaus machen wir das alles noch, weil es uns sehr viel Spaß macht. Jede Studiosession ist wirklich purer Spaß, keine Belastung. Also ist es eigentlich kein großer Unterschied zu früher. Technisch gesehen haben wir viel Erfahrung mit Softwaresynthies sammeln können, was uns neuen Schub schon vor fünf Jahren einen gegeben hat. Zu diesem Zeitpunkt bis du der erste, dem wir erzählen, dass wir bereits 14 neue Stücke haben, die wir demnächst mixen werden. Es wird also ein neues Ionic Vision-Album geben. Gott möge uns schützen, wenn das wirklich bekannt wird *lach

Ihr habt ja den Slogan „Rage Against The Acoustic“. Könnt ihr uns da etwas erzählen, wie ihr dazu gekommen seid?

 -> Er stammt aus der Anfangszeit von Ionic Vision. Zu der Zeit haben wir zugesehen, wie der ganze richtige EBM immer mehr in Richtung Cross-Over abgedriftet ist, bis fast nix mehr davon übrig war. Die Gitarren haben überall Überhand genommen in der Szene und wir haben es einfach nicht gemocht. Also haben wir unsere Waffen genommen, geladen und Ionic Vision geschaffen, mit denen wir wahren EBM machen konnten und gegen diese ganze Cross-Over-Szene geschossen haben. Zu der Zeit, als wir unser erstes Album aufgenommen haben, dachten wir, es klänge cool, ein hartes Statement abzugeben und wurden von dem Bandnamen Rage Against The Machine inspiriert. Wir haben so einen Titel für das Album gefunden und gleichzeitig wurde der Stil von Ionic Vision mit diesem Slogan eingemeißelt. Und um ehrlich zu sein, funktioniert der ja noch heute, und keine andere Band hat den Slogan je benutzt. Wir haben das Patent darauf *grins

EBM ist ja leider Gottes immer wieder mit der rechten Szene assoziiert worden. Was haltet ihr davon?

 -> Die Parallelen liegen in der Tatsache, dass die Musik hart und aggressiv ist, und im armeeähnlichen Dresscode. Aber egal mit wem wir gesprochen haben oder wen wir in den vergangenen Jahren getroffen haben, sie sprechen eine andere Sprache und verhalten sich ganz anders. Das ist ein schwerwiegender Beweis dafür, dass das alles falsch ist. Und für Ionic Vision gilt, dass Politik nichts mit Musik und Musik nichts mit Politik zu tun hat. Da kann man nicht viel mehr dazu sagen.

Wir geben euch jetzt mal drei Stichworte und ihr sagt spontan, was euch dazu einfällt.
 
Wirtschaftskrise
 -> Glücklicherweise sind wir nicht so sehr betroffen, aber die Leute, die unter Arbeitslosigkeit leiden, die haben sicher sehr harte Zeiten. Aber wenn man es mal von einem anderen Standpunkt aus sieht, so kann diese Zeit des Abschwungs auch perfekt genutzt werden, um etwas Neues und Besseres zu erschaffen. Wir glauben fest daran, dass das Wort „Krise“ einfach häufig missbraucht wurde, um Leute zu feuern, mehr Profit zu machen und es zu einer noch größeren Belastung für die noch Angestellten zu machen. Traurig, aber das ist die ökonomische Wahrheit.

Casting-Shows
-> Hahaha, wie zum Henker hätten Ionic Vision berühmt werden sollen? Wir hatten so viel Spaß bei der Imitation von Modern Talking vor ewig langer Zeit... Wir fielen aber bei Dieter Bohlen durch, als der in der Jury saß. Er mochte die Versionen seiner Songs nicht, die wir extra vorbereitet hatten. Am Ende kamen wir dann zum Schluss, dass wir eine EBM-Band machen müssten. Ionic Vision, die „You’re my Heart You’re my Soul“ covern...hmmmm... verlockend, oder *hahaha
Nö, aber wir können das Zeug wirklich nicht leiden. Aber es wäre echt der Hammer, wenn es vielleicht irgendwann mal ein EBM-Casting geben würde. Der „E-Factor“, bei dem „E“ für Erotik oder Elektronik steht. Wir würden ersteres bevorzugen und nur mit Mädels. Und mit uns in der Jury.

Interviews
-> Wenn die Fragen gut sind, ist es cool. Wenn die Mädels gut aussehen, umso besser. Wenn die Mädels dann auch nett lächeln, überhaupt das Beste!
 
Für den Fall dass 2012 die Welt untergeht, was würdet ihr bis dahin noch unbedingt machen wollen?
 -> Unser neues Album beenden, an dem wir hart arbeiten. So gib uns bitte bis 2013, ok?
Nein, wir würden versuchen das zu genießen, was wir genießen können. Schwer zu sagen, wir würden dies oder das machen, wenn man den Tag nicht vor Augen hat. Kann ich mir nicht vorstellen. Stell dir vor, jede lebende Kreatur kennt den Tag seines Todes – das wäre verdammt erschreckend!
 
Ihr habt jetzt noch 30s. Was wollt ihr der Welt da draußen mitteilen?

 -> 30, 29, 28, 27, 26, 25……äh….23……Müssen wir der Welt wirklich etwas sagen, wäre das nicht etwas arrogant…
Wir sind nur zwei Leute, die Musik machen und wenn wir was zu sagen haben, dann denke ich, kann man das auf unseren CDs hören. Wie gesagt, wir sind nicht so arrogant zu sagen, dass das, was wir sagen, wichtig wäre. Wir sind nur Musiker.
 
Vielen Dank für Eure Antworten und weiterhin viel Erfolg auf all euren Wegen!

->Ganz unserseits und vielen Dank an alle, die uns unterstützen!
 

Ionic Vision @ Myspace

Ionic Vision @ www

Interview & Text: Astrid Kerber & Dietmar Fels

Interview mit Ionic Vision

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